Rumänien

Rumänien

Text: Philipp Zweng

 

Tobi und Clarissa treffen bei mir ein und gemeinsam machen wir uns über die Deutsche Alpenstraße zum vereinbarten Treffpunkt am Samerberg, um von dort mit Thomas und Erna einen kleinen Konvoi Richtung Rumänien zu bilden. Die Anreise führt über Wien, Budapest in Richtung Oradea. Wir machen eine Übernachtungspause auf einem ungarischen Campingplatz den Thomas von früheren Reisen kannte. Nach hausgemachtem Gulasch, Brot und Selbstgebranntem ziehen wir uns in unsere Schlafstätten zurück.


Weiter geht’s Richtung rumänische Grenze und nach dem Geld gewechselt und die Fahrzeuge getankt waren, führt die Planung Richtung Huedin und von dort aus ins Apuseni Gebirge.

Über eine Schotterstraße geht es vorbei am Belis Fantanele Stausee, der weitere Streckenverlauf war leicht und wir biegen ab auf eine Holzrückegasse, um einen Platz für ein Nachtlager zu suchen. Es beginnt stark zu Regnen. Wir schlagen unser Lager direkt auf dem Weg auf, denn dort stehen die Fahrzeuge gerade und wir rechnen nicht damit, dass heute noch jemand hier durch möchte. Unter einem gespannten Tarp aus Baumwolle wird ein Lagerfeuer entfacht und Dosenfutter verspeist. Ein paar Bierchen werden auch noch gezischt.


Der nächste Morgen brachte keine Wetterbesserung, unsere Land Rover und der Jeep kämpften sich durch tiefe Spurrinnen die rumänische Harvester hintelassen haben und in denen knietief der Schlamm steht. Es waren heute nur 7km zu bewältigen, eine große Buche die vom Blitz gefällt wurde versperrt uns den Weg und wir beschließen zuerst das Camp zu errichten und zu Essen, um uns dann mit Seilwinde und Motorsägen den Weg für die morgige Weiterfahrt frei zu schaffen.


Nach dem Frühstück wird zusammengepackt und weiter geht die Reise, unsere Winden laufen teilweise auf Hochtouren und die erste verweigert Ihren Dienst wegen Überhitzung. Die 30 30 Regel hilft nix mehr (30 Sek. Ziehen 30 Sek. Pause) Schlamm überall. Nach dem wir allerdings den Kamm erreicht haben, kommt auch die Sonne raus und wir fahren über einen sanften Wiesenweg zwischen Büschen den Kamm entlang. Überqueren manchen Bach und genießen die wärmenden Sonnenstrahlen. Auf dieser Hochebene geht es eine Zeitlang entspannt dahin bis wir gegen 16:00 Uhr an einer Lichtung in einem Buchenwald entschließen, hier unser neues Camp für die Nacht einzurichten. Ein Schäfer mit seiner Herde zieht vorüber und winkt uns lächelnd zu.


Es geht wieder hinab ins Tal, dort suchen wir über unser Navi die nächste Tankstelle, der Rubicon hat etwas mehr Durst als die Discos, aber egal, dafür ist er im Gelände weit überlegen und braucht die Seilwinde weniger oft. Nach dem Tanken geht es wieder bergauf, über einen Schotterweg, der wie soll es anders sein Abrupt endet und in einen mördermäßigen Hohlweg führt. Thomas hat nur AT drauf und rutscht seitlich den Hang hinab, bis er seinen Disco4 abfangen kann. Wir beschließen ihn Vorn über eine Umlenkrolle und auch hinten mittels Tobis Winde zu sichern, bis er eben steht. Es geht jedoch noch ein ganzes Stück bergab und Thomas bugsiert seine Kiste schön in Fallrichtung und gibt Gas und zieht so mittels gezielten Gasstößen an den Bäumen, die verdammt nahe kommen vorbei. Wäre er auf die Bremse getreten, hätte er mit den Bäumen Bekanntschaft gemacht. Top gefahren. Tobi hat mit seinen MT´s keine großen Probleme, dazu muss er auch ca. 800kg weniger durchs Gelände bewegen als Thomas. Ich wähle eine Ausweichroute und setze auf, kann mich aber Rückwärts nachmals befreien und nehme mit mehr Speed das Hindernis ohne weitere Probleme. Aus dem Wald heraus, wird die Strecke wieder einfacher und führt uns an einem Holzfällerlager vorbei. Wir geben eine Runde Zigaretten aus und die Waldarbeiter weisen uns den Weg. Bei einem prasselndem Lagerfeuer lassen wir den Tag Revue passieren.


Der nächste Tag war von der Schwierigkeit her eher unspektakulär, jedoch hielt die Umgebung traumhafte Aussichten für uns bereit. Schäfchen zur Linken das Glück wird dir winken.

Über eine steile Abfahrt geht es in den nächsten Ort, um Diesel und Proviant zu fassen. Am Fluss befreien wir unsere Fahrzeuge grob vom Schlamm und kontrollieren mögliche Schäden und ziehen die ein oder andere Mutter und Schraube nach. Der Himmel verdunkelt sich wieder und unser Weg führt vorbei an einem Kloster Richtung Berge. Die Aussicht ist wieder ein Traum und die Strecke führt nach Norden in die Richtung in der unsere Tour enden wird, zuvor jedoch gilt es noch ein Bachbett entlang zu fahren, in dem ich mir den Reifen an der Seitenwand aufschlitze. Zum Reifenwechsel ist jedoch kein Platz, wir kommen nicht mal an die Schrauben, es gilt noch 10 Meter weiter zu fahren, um aus dem Bachbett zu kommen, die Felge ist natürlich tot. Der Reifen wird mitten auf einem kleinen Bauernhof gewechselt und alles wird von der alten Bäuerin genau überwacht. Nach getaner Arbeit übereichen wir der betagten Dame noch das ein und andere Present, um uns für die Unannehmlichkeiten zu bedanken.

Über Berg und Tal führt die Reise und abseits einer kleinen Schotterstraße, auf einer Wiese wird wieder ein Lager aufgeschlagen. Auf einmal stehen zwei Ochsen neben uns und wir wundern uns woher die Zwei kommen, bis ein Pfiff uns klar macht sie werden von ihrem Eigentümer auf diese Weide getrieben. Wir laden Ihn ein bei uns am Lagerfeuer Platz zu nehmen und bieten Ihm ein Bier an, das er dankend annimmt. Er gibt uns mit Händen und Füssen zu verstehen, das wir gerne auf seiner Weide bleiben dürfen und er die Ochsen über Nacht hier lässt, um die Bären fern zu halten. Anschließend bittet er uns zu sich nach Hause, er möchte uns einladen zu einem kleinen Umtrunk. Tobi, Clarissa und ich lehnen höfflich ab. Thomas und Erna folgen der Einladung und kommen nach ca.1,5h leicht schwankend und Arm in Arm mit dem Bauern und seinem Nachbarn wieder. 2kg Kartoffeln, ein Leib Brot, 10 Eier, Käse und 2 Flaschen Schnaps alles aus eigener Herstellung werden uns überreicht. Einfach so. Wir bedanken uns herzlich, ich verschenke meinen Filzhut und wir geben noch ein paar Bierchen aus.


Die Gastfreundschaft Rumäniens ist einfach sagenhaft und ich bitte Euch alle zusammen: Begegnet diesen Menschen mit allerhöchstem Respekt und richtet auf Ihren Weiden, Ackern und Gärten keine Schäden an, damit man uns weiterhin so freundlich aufnimmt.

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